Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeit und privaten Berufsunfähigkeitsversicherung

Warum ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar?

Sofern man nicht über ein ein eigenes ausreichendes Vermögen oder eine reiche Familie verfügt, die einem bei Ausfall der eigenen Arbeitskraft finanziell absichert, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar.
Für Personen, die nach 1.1.1961 geboren sind, besteht kein Anspruch mehr auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Seit diesem Zeitpunkt existiert nur noch die Erwerbsunfähigkeitsrente , mit ihren entsprechend deutlich schlechteren Zugangsbedingungen.
Einen entsprechenden Anspruch, überhaupt eine Erwerbsminderungsrente zu erhalten, haben nur Personen, die in den letzten 60 Monaten mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung entrichtet haben.
Daraus ergibt sich, dass Schüler, Studenten, Berufsanfänger, Hausfrauen in den meisten Fällen überhaupt keinen Anspruch auf eine entsprechende gesetzliche Absicherung ihrer Arbeitskraft haben.Auch diejenigen, die diese Voraussetzungen erfüllen, erhalten, wenn nur einen äusserst geringen Teil im Vergleich zu ihrem vorherigen Nettoeinkommen, die Tatsache, dass sie nur ihren Beruf nicht mehr ausüben können, reicht dabei noch nicht einmal aus, diesen Anspruch zu haben.
Die Arbeitskraft ist jedoch das wertvollste, was die meisten nicht vermögenden Menschen besitzen, denn Sie sichert den Lebensstandard, jedoch nur solange sie funktioniert.
Genau für den Fall, dass dies nicht mehr der Fall sein sollte, das Einkommen also komplett wegbricht bzw. bei Personen, die einen geringen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung zumindest teilweise, ist die privat Berufsunfähigkeitsversicherung eine der wichtigsten privaten Absicherungen, gleich nach der Krankenversicherung und der Haftpflichtversicherung.

Mit welchem Einkommen kann ich rechnen, wenn ich berufsunfähig werde?

Personen, die nach dem 1.1.1960 geboren sind, können mit gar keinem Anspruch rechnen, denn eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente gibt es für diese Personen ja nicht mehr.
Hier könnte nur ein Anspruch auf Erwerbsminderungs- oder Unfähigkeitsrente bestehen.
Dafür reicht aber nicht die einfache Berufsunfähigkeit aus, sondern der Umstand, dass man in keiner einzigen beruflichen Tätigkeit mehr länger als 3 Stunden (für die volle Erwerbsminderungsrente) bzw. mehr als 6 Stunden (halbe Erwerbsminderungsrente) am Tag arbeiten kann.

Dazu ein Beispiel:

Nach 10 Berufsjahren erleidet eine 30-jährige kfm. Angestellte einen Schlaganfall, so dass Sie nicht mehr in der Lage ist irgendeiner anderen oder der eigenen Tätigkeit mehr als 3 Stunden am Tag nachzugehen. Da Sie in den letzten Jahren recht ordentlich verdient hat und immer in etwa genausoviel verdient hat wie der Durchschnittverdiener in Deutschland (= ca. 30.200 Euro brutto (Jahr) Stand 2010)= ca. 2507 Euro brutto = ca. 1.600 Euro netto pro Monat.
Hier würden Sie z.B. folgende Ansprüche ergeben bei der vollen Erwerbsminderung = 937 Euro monatlich, bei der halben Erwerbsminderungsrente (die deutlichh wahrscheinlicher ist) = 468,50 pro Monat.
Im Vergleich zum vorherigen Netto ergibt sich hier bereits eine Unterdeckung von 700-1100 Euro im Monat. Dies nur für den Fall, dass überhaupt bereits eine Erwerbsunfähigkeit eingetreten ist, denn bei einer Berufsunfähigkeit, würde die Deckungslücke das volle Nettoeinkommen betragen.

Ich bin nicht körperlich berufstätig. Wie kann ich berufsunfähig werden?

Die häufigsten Ursachen für den Bezug einer Erwerbsunfähigkeitsrente sind sind:

bei Männern:

  • psychische Erkrankungen (28,7%)
  • Skelett, Muskeln, Bindegewebe (16,4%)
  • Herz-Kreislauferkrankungen (14,2%)
  • Krebs (13,9%)
  • Nervenerkrankungen (6,0%)

bei Frauen:

  • psychische Erkrankungen (39,7%)
  • Skelett, Muskeln, Bindegewebe (16,0%)
  • Krebs (15,3%)
  • Nervenerkrankungen (6,8%)
  • Herz-Kreislauferkrankungen (6,1%)

Unfälle können natürlich auch ein Grund für eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit sein, Erkrankungen oder Berufskrankheiten sind jedoch deutlich häufiger.

Insebesondere bei körperlich arbeitenden Menschen liegt die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden im Laufe des Lebens bei ca. 35 – ca. 50% . Bei kaufmännisch tätigen Personen liegt die Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger, beträgt jedoch immer noch ca. 20 – 25%.

Wie hoch sollte die versicherte Rente sein?

Wer es sich leisten kann, sollte sein volles vorheriges Nettoeinkommen absichern, um im Fall der Berufsunfähigkeit seinen Lebensstandard ohne Einbußen halten zu können. In jedem Fall sollte jedoch zusammen mit möglichen Ansprüchen aus der Erwerbsminderungsrente (hier sollte man nur den Erhalt der halben Erwerbsminderungsrente einkalkulieren) die Absicherung des vorherigen durchschnittlichen Nettoeinkommens abgesichert werden.
Wem dies finanziell auch nicht möglich ist, sollte zumindest eine solche Rente absichern, die ihn besser stellt ein ein möglicher Erhalt von Hartz IV, denn nur darauf hätte man ohne geeignete andere Absicherung Anspruch.

Welche Versicherungsbedingungen sind unverzichbar?

Bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind in jedem Fall hervorragende Versicherungsbedingungen entscheidend und nicht der derzeitige Monatsbeitrag (zumal sich dieser bis zum Bruttobeitrag erhöhen könnte).
Die wichtigsten Bedingungen, die die Berufsunfähigkeitsversicherung erfüllen muss sind folgende:

Bei Piloten, Bordpersonal und Ballonführern zusätzlich:

Bei Beamten zusätzlich:

Welche Laufzeit sollte die private Berufsunfähigkeitsversicherung haben?

Da im Fall der Berufsunfähigkeit die größte Einnahmequelle, die Arbeitskraft teilweise bis vollständig wegfällt, sollte ein Berufsunfähigkeitsrente solange bezahlt werden, bis die Altersrente eintritt. Hier sollte man natürlich berücksichtigen, dass bei Eintritt der Berufsunfähigkeit möglichweise auch der Anspruch auf Altersrente deutlich geringer ausfallen wird und man eine entsprechende zusätzliche private Altersvorsorge benötogt.

In der Regel besteht ein Anspruch auf Altersrente frühestens mit 62 Jahren (Frührente), normalerweise haben Arbeitsnehmer bis 67 zu arbeiten. Genau bis zu diesem Zeitpunkt sollte auch die private Berufsunfähigkeitsversicherung laufen.
Da das Risiko einer Berufsunfähigkeit ab dem 60. Lebensjahr deutlich zunimmt, liegt der Beitrag zur Absicherung der letzten Jahre entsprechend deutlich höher.
Um einen geringeren Monatsbeitrag zu erreichen, könnte auch eine kürzere Laufzeit z.B. bis 63 oder 64 sinnvoll sein. Allerdings muss man dann entsprechend daran denken, die abgesicherte Monatsrente zu erhöhen, um einen größeren Betrag für die zusätzliche Altersvorsorge einplanen zu können. Denn entsprechend niedriger werden bei vorzeitigem Rentenbeginn die Ansprüche aus der gesetzlichen (oder anderen privaten) Rentenversicherung sein.

Brauchen Selbstständige und Freiberufler auch eine private Absicherung?

Da Freiberufler und Selbständige (je nach Branche und Berufszweig) nicht verpflichtet sind, sich in der gesetzlichen Rentenversicherung zu versichern, ist hier eine private Berufsunfähigkeitsversicherung noch wichtiger als bei Arbeitnehmern. Auch wenn ein Selbständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung und ein Freiberufler (z.B. Anwalt, Steuerbeareter, Arzt etc.) bei seinem Versorgungswerk versichert ist, reichen die Leistungen im Fall der Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit nicht aus, um das vorherige Nettoeinkommen auszugleichen, wenn es zur Berufsunfähigkeit kommt.
Insbesondere Freiberufler, die davon ausgehen durch ihr Versorgungswerk auch für den Fall der Berufsunfähigkeit versichert zu sein, sollten sich genau damit auseinandersetzen, unter welchen Voraussetzungen überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung gezahlt wird und wie hoch diese ausfällt. Die Bedingungen der BU-Absicherung von Versorgungswerken sind deutlich schlechter als bei privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen.
Zumindest zur zusäzlichen Absicherung sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden.
Für Selbständige ohne eine gesetzliche Absicherung ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung sogar ein Muss. Denn bei Berufsunfähigkeit würde andernfalls der direkte Sprung in HARTZ IV erfolgen.

Reicht nicht eine Unfallversicherung aus?

Nich einmal jede 10. Berufsunfähigkeit wird durch einen Unfall verursacht. In einigen Berufen besteht zwar ein erhöhtes Unfallrisiko, weshalb der Abschluss einer guten Unfallversicherung dort Sinn macht. Die Unfallversicherung sollte jedoch stets nur als Ergänzung zu einer ausreichenden Absicherung der Berufsunfähigkeit gesehen werden.
Wenn man zudem bedenkt, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung ein Risiko absichert, welches in etwa 10 mal so hoch ist, wie das Unfallrisiko, welches die Unfallversicherung versichert, die BU-Absicherung jedoch nur ca. 3-4 mal so teuer ist wie eine gute Unfallversicherung mit ausreichender Versicherungssumme, dann spricht alles für den Abschluss der Berufsunfähigkeit.
Sofern man jedoch aufgrund von Vorerkrankungen keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen kann, bietet die Unfallversicherung sicherlich eine angemessene Alternative.

Können Vorerkrankungen mitversichert werden?

Dies hängt von Art und Umfang der Vorerkrankung ab. Eine Reihe von Vorerkrankungen kann gegen einen Risikozuschlag in der Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert werden. Bei weiteren erfolgt ein Risikoausschluss und bei wieder anderen wird der Antrag gar nicht angenommen.
Hier eine Liste dazu.

Sollten Hausfrauen und Studenten auch privat vorsorgen?

Da Hausfrauen und Studenten in vielen Fällen nicht einmal die Voraussetzungen erfüllen, um zumindest für den Fall der Erwerbsunfähigkeit abgesichert zu sein, ist für diese Personengruppen der Abschluss einer geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar.
Man bedenke nur, welche finanziellen Einbussen der Familie entstehen, wenn die Mutter und Ehefrau, die als Hausfrau tätig ist, nicht mehr dieser Tätigkeit nachgehen kann. In diesem Fall wäre man im schlimmsten Fall gezwungen eine teure Haushälterin einzustellen, welche bei weitem nicht die gleichen Tätigkeiten ausüben könnte wie zuvor die Hausfrau.
Gerade Studenten müssen davon ausgehen durch den Universitätsabschluss später über ein hohes Einkommen zu verfügen, insofern sollten Sie sich bereits frühzeitig für den zukünftigen Beruf versichern. Wichtig dabei:

  • Nachversicherungsgarantie bei Ende der Ausbildung
  • Die BU-Absicherung muss bereits während des Studiums auf den zukünftigen Beruf abzielen, dies ist nicht bei allen Anbietern der Fall.

Nur wenige Berufsunfähigkeitsversicherungen versichern Studenten bereits für den zukünftigen Beruf, wenn überhaupt auch erst nach Vollendung des Grundstudiums.
Einige Anbieter haben Tarife, die z.B. in den ersten 10 Jahren deutlich günstiger sind, dann jedoch den Beitrag um bis zu 100% erhöhen. Dies hat Vor- und Nachteile. Es ermöglicht natürlich eine günstigen Beitrag, so dass sich der Student bereits frühzeitig den wichtigen Versicherungsschutz leisten kann, dafür kostet der Tarif nach 10 Jahren jedoch deutlich mehr, da das Eintrittsalter höher ist. Es kann daher manchmal sinnvoller sein, gleich den Tarif mit Alterungsrückstellungen bis zum Ende der Versicherungsdauer zu wählen.

Können gefährliche Hobbys zur Antragsablehnung führen?

Sofern bereits bei Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung ein gefahrenerhöhendes Hobby ausgeübt wird, ist dieses im Antrag anzugeben. Einige Hobbies führen dabei zu Risikozuschlägen, andere sogar zur Ablehnung, siehe hier.

Was passiert beim Berufswechsel?

Bei einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgt bei einem Berufswechsel in einen risikoreicheren Beruf keine Umstufung in eine höhere und damit teurere Berufsklasse. Andersherum erfolgt jedoch eine Abstufung bei vielen Versicherern, wenn Sie von einem risikoreicheren Beruf (z.B. Handwerker) in einen Bürojob wechseln.
In vielen Versicherungsbedingungen ist ein Berufswechsel nicht einmal anzuzeigen. Sicherheitshalber können Sie dies tun, insbesondere, wenn Sie in einen risikoärmeren Beruf wechsel, um damit eine Beitragssenkung zu beantragen.