LEXIKON zur Berufsunfähigkeitsversicherung

abstrakte Verweisung

In der gesetzlichen Berufsunfähigkeitsabsicherung, aber auch in alteren Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es die so genannte abstrakte Verweisung. Dabei handelt es sich um folgende Formulierung : … oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die er auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung ausüben kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht.

Der in seinem jetzigen Beruf Berufsunfähige, könnte also gemäß der abstrakten Verweisung auf einen seiner Stellung entsprechenden Beruf verwiesen werden, den es theoretisch gibt, ungeachtet der Tatsache, dass er hier gar keinen Arbeitsplatz am Arbeitsmarkt finden würde.
Heutzutage verzichten gute Berufsunfähigkeitsversicherungen daher auf diese Klausel. Hier kann der Berufsunfähige also nicht auf einen vom Niveau her gleichen Beruf verwiesen werden, den er tatsächlich aber gar nicht ausübt oder aufgrund der Arbeitsmarktsituation ausüben könnte.

Anfechtung

Ein Versicherer kann einen Vertrag, bei dem im Antrag falsche Angaben gemacht wurde anfechten. Dies ist innerhalb eines Monats nach Bekanntwerden einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung zu tun.Er hat dann je nach Schwere des Verstosses des Versicherungsnehmers das Recht zum Rücktritt, Kündigung oder zur Weiterführung des Vertrages zu veränderten Bedingungen.

Anzeigepflichtverletzung

Zu unterscheiden ist zwischen verschiedenen Graden der Anzeigepflichtverletzung.

einfach Fahrlässigkeit
Nun ist zwischen der Schwere des Verstoßes zu unterscheiden. Wurden Angaben nur fahrlässig verschwiegen und wäre der Vertrag auch unter der Voraussetzun vom Versicherer angenommen worden, wenn diese Angabe bei Antragstellung gemacht worden wäre (nur. z.B. mit einem Leistungsausschluss), so besteht das Recht zum Rücktritt für den Versicherer nicht. Der Vertrag müsste unter den Bedingungen weitergeführt werden, wie er geführt worden wäre, wenn die Angaben alle vollständig gewesen wären.
Die einfache Fahrlässigkeit verjährt nach 3 Jahren, danach kann der Versicherer einen Vertrag nicht mehr anfechten. In diesem Zusammenhang könnte das Thema Abfragezeitraum der Gesundheitsfragen im Antrag von großer Wichtigkeit sein, da ein kurzer Abfragezeitraum die Wahrscheinlichkeit vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzungen verringert.

grobe Fahrlässigkeit
Begeht ein Antragsteller eine grob fahrlässige vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung und verschweigt Dinge, die ihm eigentlich bekannt sein müssten und nach denem im Antrag auch gefragt wurde, so besteht ebenfalls die Möglichkeit für den Versicherer zur Anfechtung der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Der Versicherer darf in diesem Fall auch kündigen oder vom Vertrag zurücktreten (wenn der Vertrag unter dieser Voraussetzung damals nicht angenommen worden wäre). Ansonsten muss der Vertrag wie bei der fahrlässigen Anzeigepflichtverletzung zu geänderten Bedingungen (Leistungsausschluss oder Risikozuschlag) weitergeführt werden.
Der Unterschied ist, dass die grobe Fahrlässigkeit erst nach 5 Jahren verjährt.

Arglist und Vorsatz

Hier hat der Versicherer in jedem Fall einen Grund zur Anfechtung des Vertrages und zum Rücktritt. Auch die bezahlten Beiträge werden nicht zurückerstattet. Arglist verjährt erst nach 10 Jahren. Wurden Angaben z.B. Vorerkrankungen also arglistig verschwiegen und dem Versicherer wird dies erst 10 Jahre nach Vertragsabschluss (Datum der Unterschrift des Versicherten), so kann dieser nicht mehr vom Vertrag zurücktreten und muss in jedem Fall leisten.

Arbeitsunfähigkeit

Arbeitsunfähigkeit ist die vorübergehende Unfähigkeit seiner derzeitigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. In der Regel besteht für Arbeitnehmer in diesem Fall ein Recht auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall von 6 Wochen durch den Arbeitgeber. Danach würde es bei länger andauernder Arbeitsunfähigkeit ein Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse geben, welches allerdings niedriger ist als das normale Nettoeonkommen.

arglistige Täuschung

Wenn bei Antragstellung falsche Angaben oder auch Vorerkrankungen bewusst verschwiegen wurden, um den Versicherungsschutz zu erhalten oder gar in der Absicht später genau wegen dieser Vorerkrankungen Leistungen von der Versicherung zu beziehen, so handelt es sich um eine arglistige Täuschung. Der Versicherer hat das Recht zur Anfechtung und zum Rücktritt. Die arglistige Täuschung verjährt jedoch nach 10 Jahren.

Beitragsverrechnung

In der Regel erzielt eine Berufsunfähigkeit Überschüsse, Sei es aufgrund höher Zinsen der Kaputalanlagen oder aufgrund eines besseren versicherungswirtschaftlichen Ergebnisses als vorher geplant (es sind also weniger Menschen berufsunfähig geworden als kalkuliert) oder aufgrund geringerer Verwaltungskosten als kalkuliert. Diese Überschüsse werden den Versicherten zum größten teil gutgeschrieben.
Nun kann der Versicherte wählen, ob diese Überschüsse verzinslich angesammelt werde sollen, die Versicherungssumme erhöhen sollen oder ob er lieber für die garantierte Versicherungssumme (oder Berufsunfähigkeitsrente) einen geringeren Monatsbeitrag bezahlen möchte. Diesen Abzug der Überschussanteile vom Bruttobeitrag führt zum Nettobeitrag, der tatsächlich zu zahlen ist, wenn der Versicherte den Beitragsabzug wünscht. Wir raten bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zur Wahl dieser Option und stattdessen zur Vereinbarung einer höheren versicherten Berufsunfähigkeitsrente.

Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit ist die dauerhafte Unfähigkeit seinem derzeitigen Beruf nachzugehen. In der Regel ist der Status Berufsunfähigkeit bereits erreicht, wenn dem Beruf nicht mehr mindestens zu 50% nachgegangen werden kann und dies für mindestens 6 Monate oder länger.

Bruttobeitrag

Der Bruttbeitrag bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Beitrag, der nach der Kalkulation des Versicherers für den Versicherungsschutz zu zahlen ist. In der Regel erzielt der Versicherer jedoch aus verschiedenen Quellen Überschüsse, die dann vom Bruttobeitrag abgezogen werden können und zu einem niedrigen Netto-Beitrag (Zahlbeitrag) führen.
Der Bruttobeitrag ist garantiert und kann vom Versicherer nicht ohne weiteres erhöht werden kann. Allerdings kann bei Erzielung niedriger Überschüsse der monatliche Zahnbeitrag ohne weiteres bis zum Bruttobeitrag ansteigen.
Gerät ein Versicherer in finanzielle Schieflage kann über eine Treuhänderklausel auch der Bruttobeitrag angepasst werden, wenn ein unabhängiger Treuhänder dieser Anpassung zustimmt.
Achten Sie beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur auf einen niedrigen Zahlbeitrag, sondern vergleichen Sie auch die unterschiedlichen Bruttobeiträge. Denn sehr schnell kann ein vermeindlich günstiger Anbieter, der einen extrem hohen Bruttobeitrag hat, viel teurer sein als eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei der der Zahlbeitrag etwas höher ist zu Anfang,der Bruttobeitrag aber nicht 3 mal so hoch kalkuliert wurde wie beim anderen Anbieter.

Dienstunfähigkeit

Beamte, beispielsweise Soldaten, Lehrer, Polizisten usw. müssen darauf achten, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung, die sie abschließen die so genannte Dienstunfähigkeit berücksichtigt. Denn wenn der Dienstherr aus bestimmten Gründen den Versicherten für dienstunfähig hält, z.B. weil er wichtige einzelne Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann, er im Sinne der Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch noch nicht berufsunfähig (z.B. weil er nicht die 50% Berufsunfähigkeitsgrad erreicht hat), so würde er keine Leistung vom Versicherer erhalten, wenn dieser nicht die Dienstunfähigkeitsklausel berücksichtigt.

Dynamik

Hier ist zu unterscheiden zwischen der Dynamik in der Versicherungsphase und einer Dynamik in der Leistungsphase.

So lässt sich die Dynamik in der Versicherungsphase bei fast jedem Versicherer einrichten bei Antragstellung. Die versicherte Rente (und natürlich auch der Beitrag) erhöhen sich gemäß eines vorher festgelegten Prozentsatzes (z.B. 2-6%) jährlich, ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Dieser Erhöhung darf 2 mal hintereiander widersprochen werden, ansonsten besteht ohne neue Gesundheitsprüfung kein Anspruch mehr auf diese regelmäßige Dynamik. Die Dynamik soll dabei die Inflation ausgleichen.

Bei der Dynamik im Leistungsfall versichert man den Umstand, dass sich die ausgezahlte Rente auch dann um einen garantierten Prozentsatz jährlich erhöht, wenn man bereits berufsunfähig geworden ist und eine Rente erhält.

Im Gegensatz zur ersten Dynamik kostet die Leistungsdynamik einen Mehrbeitrag, da dies bereits von Anfang an mit in der Versicherungsprämie einkalkuliert werden muss. Die Dynamik in der Einzahlungsphase erhöht den Beitrag stets erst bei Inkrafttreten der Erhöhung, also beispielsweise jährlich.

Eingliederungsbeihilfe

Einige Versicherer bieten die Möglichkeit an, statt einer Rente im Leistungsfall eine höhere Summe (z.B. 6 Monatsrenten) dafür zu erhalten, damit beispielsweise damit eine Umschulungsmaßnahme finanziert werden kann oder auch eine gewisse Zeit, in der aufgrund einer Neuqualifikation nicht gearbeitet werden kann, finanziert werden kann. Dies nennt sich Eingliederungshilfe.

Ertragsanteil

Die ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente ist im Leistungsfalls, also bei Berufsunfähigkeit, mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Das bedeutet, dass nicht die komplette Rente zu versteuern ist. Da nur der Ertragsanteil zu versteuern ist (z.B. im Jahr 2012 = 64%)abzüglich Werbungskosten, wird in der Regel nicht der Grundfreibetrag (in 2012 = 8.004,00 EUR) übertroffen, weswegen meist erst dann tatsächlich für die Berufsunfähigkeitsrente Steuern zu zahlen sind, wenn weitere Einkunftsarten hinzukommen.

Erwerbsminderungsrente

Gesetzlich Rentenversicherte haben unter Umständen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsrente, zielt der Anspruch auf Erwerbsminderungsrente nicht darauf ab, ob man seinem tatsächlich erlernten Beruf nicht mehr nachgehen kann, sondern ob man keiner am Arbeitsmarkt vorhandenen Tätigkeit mehr länger als 3 Stunden am tag (volle Erwerbsminderungsrente) oder länger als 6 Stunden am Tag (halbe Erwerbsminderungsrente) mehr nachgehen kann.
Die volle Erwerbsminderungsrente entspricht schätzungsweise 38% des letzten Bruttoeinkommens im Monat, die halbe Erwerbsminderungsrente entsprechend 19%.
Sowohl dann wenn Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht oder auch nicht, reicht das dadurch zu erhaltende Einkommen kaum aus, um den vorherigen Lebensstandard beizubehalten.

Erwerbsunfähigkeit

Sofern man keiner am Arbeitsmarkt vorhandenen Tätigkeit (unabhängig davon, ob diese verfügbar ist) mehr dauerhaft nachgehen kann, ist man erwerbsunfähig. Bei voller Erwerbsunfähigkeit (keine Tatätigkeit kann mehr länger als 3 Stunden am Tag ausgeübt werden) erhält man die volle Erwerbsminderungsrente.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung versichert im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung den Fall, dass man keiner theoretisch vorhandenen Erwerbstätigkeit mehr dauerhaft (z.B. länger als 3 Stunden am Tag) mehr nachgehen kann. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist dann eine Alternative, wenn man aufgrund seindes Berufes oder aufgrund von Vorerkrankungen keine richtige Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen kann.

Infektionsklausel

Wichtig für Ärzte und Angestellte im Gesundheitswesen ist bezüglich des Abschlusses einer Berufsunfähigkeitsversicherung, dass der jeweilige Tarif auf die Infektionsklause verzichtet. Nur dann wird zum Beispiel bei einer Berufsunfähigkeit geleistet, die auf eine Infektion, beispielsweise durch einen Nadelstich bei der Arbeit, verursacht wurde.

Karenzzeit

Karrenzzeit bedeutet, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung erst nach einer vorher vereinbarten Karrenzzeit z.B. 6,12,24 Monate zu leisten beginnt. Tritt also die Berufsunfähigkeit ein und es besteht eine Karrenzzeit von 6 Monaten, wird die Berufsunfähigkeitsversicherung erst ab dem 7. Monat der Berufsunfähigkeit gezahlt.

konkrete Verweisung

Im Gegensatz zur abstrakten Verweisung kann ein Versicherer aufgrund der konkreten Verweisbarkeit eine Berufsunfähigkeitsrente einstellen oder versagen, wenn ein Beruf, der der gleichen Lebensstellung des vorherigen Berufes entspricht tatsächlich also konkret ausgeübt wird. Die konkrete Verweisbarkeit macht im Sinne einer Versicherung durchaus Sinn, denn wenn ein Versicherter in der Lage ist einen gleichwertigen Beruf tatsächlich auszuüben und dies auch tut, da der Arbeitsmarkt dies zulässt, so ist er auf eine Berufsunfähigkeitsrente nicht wirklich angewiesen, da er für seinen Lebensunterhalt ja sorgen kann. Trotzdem gibt es auch einige Berufsunfähigkeitsversicherungen, die nicht nur auf die abstrakte Verweisbarkeit verzichten, sondern auch auf die konkrete Verweisung.

Luftfahrtklausel

Ist eine Berufsunfähigkeit auf eine Luftfahrt, also einen Flug zurückzuführen, so ist der Versicherungsschutz in den meisten Tarifen darauf beschränkt, dass dieser Flug als Passagier in einem Passagierflugzeug stattgefunden hat.
Besatzungmitglieder, also z.B. Piloten, Flugbegleiter etc. müssen darauf achten, dass ihre Berufsunfähigkeitsversicherung auf die Luftfahrklausel verzichtet, da sonst ihr Berufsrisiko nicht wirklich versichert wäre.

Meldefristen

Damit ein Versicherter Anspruch auf Leistung, also im Fall der Berufsunfähigkeitsversicherung auf eine BU-Rente hat, ist es wichtig, dass die Meldung des Versicherungsfalles rechtzeitig erfolgt. Die Meldung über den Eintritt der Berufsunfähigkeit muss als nach §11 der Musterbedingungen ohne schuldhafte Verzögerung erfolgen.
Einige Berufsunfähigkeitsversicherungen sehen explizite Meldefristen vor, andere Tarife verzichten darauf, was natürlich für den Versicherten ein Vorteil ist.

Nachprüfung

In so gut wie allen Berufsunfähigkeitsversicherungen wird dem Versicherer das Recht zur Nachprüfung eingeräumt. das bedeutet z.B. dass je nach Versicherungsbedingungen nach 3 Jahren Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente der Versicherer durch eine erneute Untersuchung überprüfen kann, ob noch immer eine Berufsunfähigkeit von 50% besteht oder ob kein Anspruch auf Zahlung der Rente mehr gegeben ist.

Des Weiteren können Versicherer, die bei der ersten Prüfung auf die konkrete Verweisung verzichtet haben, bei der Nachprüfung überprüfen, ob der Beruf noch immer ausgeübt wird und gegenbenenfalls bei der 2. Prüfung abstrakt verweisen und die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente einstellen.

Nachversicherungsgarantie

Je nach Art des Tarifes der Berufsunfähigkeitsversicherung kann dem Versicherten eine Nachversicherungsgarantie zustehen. Dies wird ausgelöst durch ein Ereignis, beispielsweise Ausbildungsabschluss, Heirat, Geburt eines Kinders, Erwerb oder Bau einer Immobilie, hoher Einkommenssprung etc.. Durch die Nachversicherungsfrist hat der Versicherte die Möglichkeit ohne erneute Gesundheitsprüfung die derzeitig versicherte BU-Rente bis zu einem bestimmten Prozentsatz zu erhöhen, beispielsweise um 50% der zuvor versicherten Berufsunfähigkeitsrente.

Nettobeitrag

Der Nettobeitrag wird gebildet aus Bruttobeitrag abzüglich der Überschussbeteiligung. Es handelt sich um den Zahlbeitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung, sofern die gängigige Option Beitragsverrechnung gewählt wurde.

Policendarlehen

Einige Versicherer ermöglichen es dem Versicherten ein Darlehen auf den Rückkaufswert ihrer Versicherung aufzunehmen, ohne diese zu kündigen. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kann dies natürlich nur dann funktionieren, wenn in dieser ein zusätzlicher Sparanteil bedient wird, also wenn es sich z.B. um eine Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitszusatzversicherung handelt, bei der überhaupt ein nennenswerter Rückkaufswert gebildet wird.

Prognosezeitraum

Damit eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, muss eine dauerhafte Berufsunfähigkeit belegt werden. Da es in der Regel unmöglich ist für einen Arzt oder Gutachter zu sagen, ob ein Versicherter auch in 3 Jahren noch berufsunfähig sein wird, beträgt der Prognosezeitraum bei guten Bedingungswerken nur noch 6 Monate.
Wenn die vorherige Einschätzung über den Grad der Berufsunfähigkeit schwierig oder unmöglich ist, würde jedoch dann spätestens die Berufsunfähigkeitsrente gezahlt werden, wenn der versicherte 6 Monate am Stück bereits berufsunfähig war.

Risikozuschlag

Aufgrund der Gesundheitsangaben bei Antragstellung zur Berufsunfähigkeitsversicherung schätzt der Versicherer das Risiko einer zukünftigen Berufsunfähigkeit ein. Die Versicherungsprämien sind dabei so kalkuliert, dass sie das Risiko eines gesunden Menschen abbilden. Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion etc. erhöhen das Risiko berufsunfähig zu werden, daher kann der Versicherer einen Antrag beispielsweise nur unter der Voraussetzung annehmen, dass der Versicherungsnehmer einen Risikozuschlag (Risikowagnisausgleich) bezahlt, beispielsweise 20% mehr als er normalerweise als gesunder Antragsteller zu zahlen hätte.

Risikoauschluss

Schlechter als das Angebot des Versicherer einen Antrag mit Zahlung eines Risikozuschlags anzunehmen ist immer die Vereinbarung eines Risikoausschlusses. Der Versicherungsnehmer hat dann zwar den Normalbeitrag zu zahlen, tritt die Berufsunfähigkeit jedoch später aufgrund der Vorerkrankung auf, die ausgeschlossen wurde, ist der Versicherer von der Leistung frei.

Rücktritt

Bei grober Fahrlässigkeit oder Arglist der Versicherten (z.B. bei Antragstellung) hat der Versicherer das Recht zur Anfechtung und zum Rücktritt vom Vertrag.

Überschussbeteiligung

Durch Risikogewinne, niedrigere Verwaltungskosten als vorher einkalkuliert und Überzinsen aus den Kapitalanlagen steht den Versicherten eine Überschussbeteiligung zu, die jedoch nicht garantiert werden kann und zudem von Jahr zu Jahr schwanken kann. Wer in seiner Berufsunfähigkeitsversicherung die Beitragsverrechnung gewählt hat, zahlt nur den Nettobeitrag, der sich ergibt, wenn man die Überschussbeteiligung vom eigentlich zu zahlenden Bruttobeitrag abzieht.

Umorganisation

In einigen Bedingungswerken von Berufsunfähigkeitsversicherungen hält sich der Versicherer im Fall der Berufsunfähigkeit des Versicherten offen, dass dieser in zumutbarem Maße seinen Arbeitsplatz umorganisieren muss, um dadurch weiter berufsfähig zu sein.
Dies ist im Prinzip nur bei Selbständigen und Freiberuflern relevant, da Arbeitnehmer an die Vorgaben des Arbeitsgebers gebunden sind und nicht einfach den Arbeitsplatz umorganisieren dürfen.
Bei Selbständigen könnte der Versicherer eine solche Möglichkeit der Umorganisation jedoch überprüfen. Selbständige sollten einen Tarif wählen, in dem eine solche Umorganisation nicht geprüft wird.

Widerruf

Der Versicherungsnehmer hat innerhalb von 2 Wochen nach Vertragsabschluss und dem Zugang aller relevanten Unterlagen (z.B. Versicherungsbedingungen etc.) das Recht, seinen Antrag zu widerrufen.